Unser heutiger Auftritt auf dem Forum Sidepunktarum, über den elitären Hinterausgang, zwang ein weiteres Mal auf das folgende offenbar heiß diskutierbare und hochaktuelle Thema. Um es in einem stimulierenden Attest gerinnen zu lassen: Wird die heutige Jugend (insofern von DER Jugend schlechthin überhaupt noch gesprochen werden kann) zunehmend freizügiger?
Aus der bekannten Neigung heraus, solcherlei Beobachtungen in Form von Tendenzen zu formulieren, möchte ich das ganze gleich auf eine weitere Ebene heben, indem ich die (dezidiert auf die neuen Bundesländer zurückzuführende) 'Freikörperkultur' mit ins Spiel bringe. Persönlich konnte ich feststellen, dass diese Form des 'enthemmten' Sonnenkultes zunehmend alle Altersschichten durchbricht, ja man könnte mittlerweile gar sagen 'eint' und das in bedeutend stärkerem Maße, als die Jahre zuvor. 'Enthemmung' als (sicher) diskutierbares General- Moment jugendlicher Vergesellschaftung (in seinen Wurzeln u.a. auf Rebellionsprozesse zurückführbar), könnte den Zugang damit auch in die Domäne höherer Altersklassen gefunden haben. Natürlich ist praktisch davon auszugehen, dass es sich dabei um Teilgruppenphänomene handelt.
Die Frage ist also, lässt sich tatsächlich von einer solchen Tendenz sprechen? Können legitime Parallelen zwischen dem steigenden 'Freizügigkeitsgrad' (sicher nicht der beste Begriff) und der FKK- Kultur evtl. tatsächlich insofern gezogen werden, als dass zweiterer gleichsam wartend bereitstand und eine solche Entwicklung direkt 'abholen' konnte (bzw. als kulturelles Muster unmittelbar anschlussfähig für eine solche Tendenz war?). Oder sollte es andersherum gefasst werden: Wahre Originalität gibt es nicht nicht mehr, alles vorzufindene ist ein Rekurs oder eine Variation des bereits Existenten oder Gewesenen (explizite wie implizite Retrorekurse gibt es zu hauf). Insofern könnte man dann sagen, dass der Schauplatz der 'Frivolität' aus den Clubs, Diskotheken, Bars und Privatfeiern zum Teil in den öffentlichen Raum verschoben wurde. Spannenderweise hielt dieser die bereits langjährig elaborierten & gepflegten Verhaltensmuster abholbereit zur Verfügung (aber als dezidierte Konstruktion einer ganz anderen gesellschafltichen Gruppe).
Das ganze kann übrigens als ein weiteres Zeugnis dafür interpretiert werden, dass sich die Gemeinschaften der Postmoderne stetig von den rigiden (hier: demographischen) Eigenschaften entfernen.
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Eine Frage für zukünftige Diksussionen in diesem Rahmen, der sich aus unserem Diskurs ergab: Sollte es - und das verweist auf eine klar wertende Diskussion - wissenschaftsbefriedete Gebiete geben, welche der (Jung-)Soziologe aktiv als lebensweltliche Ressource unentzaubert und damit analytisch unreflektiert belassen sollte? Wie wichtig sind solche Refugien? Oder sind gar die wissenschaftlichen Perspektiven die Refugien?
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